Das Reifendrehen gilt als das Wahrzeichen von Seiffen. Doch woher kam die geniale Idee, ganze Tierwelten aus einem Holzring zu „zaubern“? Eine neue Sonderausstellung lüftet nun das Geheimnis: Die Wurzeln des weltberühmten Spielzeugs liegen in der Hitze der Glashütten.
Bis etwa 1830 prägten Glashütten das Seiffener Tal. Was viele heute nicht mehr wissen: Ohne die hochspezialisierten Glasformdreher dieser Hütten gäbe es das Reifendrehen vermutlich gar nicht. Die Ausstellung „Die Wurzeln der Ringe“ stellt erstmals das Handwerk des Glasformenbaus direkt dem Reifendrehen gegenüber und macht den technologischen Evolutionssprung unter einem historischen Dachstuhl greifbar.
Vom Glas zum Holzspielzeug. Die Technik, Profile mit höchster Präzision in rotierendes Nassholz zu drehen, war bei den Glasformmachern längst Alltag, bevor das erste Reifentier entstand. In der Ausstellung wird dieser Übergang sichtbar gemacht: Eine tiefschwarze, wassergesättigte Glasform aus Birnenholz steht Spielzeug-Holzreifen gegenüber. Besucher können so hautnah erleben, wie die Handwerker um 1800 ihre Erfahrung im Formbau nutzten, um die Spielzeugproduktion zu revolutionieren.
Authentisches Erleben auf engstem Raum. In drei thematischen Vitrinen und an den historischen Balken eines alten Dachzimmers werden originale Werkzeuge, Glasmacherpfeifen und seltene Reifentiere präsentiert. Historische Filmaufnahmen und die Gegenüberstellung von Materialien wie harziger Fichte und feiner Buche machen die Schau zu einem Erlebnis für alle Sinne.
Schulterschluss mit der Spielzeugmacherschule. Besonders stolz ist die Gemeinde Seiffen auf die Zusammenarbeit mit der lokalen Spielzeugmacherschule. Angehende Drechslermeister haben, unter Anleitung ihres Ausbilders Axel Wiedemann, zwei detailgetreue Dioramen geschaffen, die den Arbeitsalltag in der Glashütte und an der Drechslerbank von 1800 rekonstruieren. „Uns war wichtig zu zeigen, dass dieses Wissen nicht nur im Museum lebt, sondern von der Jugend aktiv weitergetragen wird“, so der Kurator Dr. Albrecht Kirsche.
„Die Authentizität der Schau wird durch bedeutende Dauerleihgaben des Glashüttenmuseums Neuhausen unterstrichen. Diese Kooperation ermöglicht es, Original-Objekte der Seiffener Glasgeschichte in einen neuen, spannenden Kontext zum weltbekannten Reifendrehen zu stellen.“
Die Eröffnung der Ausstellung findet im Rahmen der „Tages des Historischen Handwerks“ im Erzgebirgischen Freilichtmuseum statt.